Gerücht: Calvin Brackelmann – Notnagel oder wichtige Ergänzung für die Innenverteidigung?

Durch die Länge der Verletztenliste in der Innenverteidigung ist in diesem Winter die Neuverpflichtung von mindestens einem weiteren Spieler für diese Position unausweichlich. Ein Name, der in der Gerüchteküche aufgetaucht ist, ist Calvin Brackelmann. Der 1,96 m große Abwehrrecke spielt beim SC Paderborn und dort auch unter Lukas Kwasniok.

Ist der Name nur wegen der gemeinsamen Historie in der Verlosung, oder kann Brackelmann dem 1. FC Köln tatsächlich weiterhelfen? Ich habe mir die Zahlen angesehen und für Euch aufbereitet.

Steckbrief

Name: Calvin Marc Brackelmann

Alter: 26 Jahre

Größe: 1,96 m

Position: Innenverteidiger (gelegentlich als Linksverteidiger eingesetzt)

Aktueller Verein: SC Paderborn 07 (2. Bundesliga) Vertrag bis Ende der Saison 25/26

TL/DR – Brackelmann in der Kurzzusammenfassung

Defensive

In defensiven Duellen ist er ein absoluter Topspieler in der zweiten Liga. Gerade am Boden führt er viele Zweikämpfe und gewinnt diese mit herausragend guter Quote (65,5%, Top 20% der Innenverteidiger in Liga 2).

Mit seinen 1,96m Körpergröße ist er ein Turm in der letzten Linie und auch seine Zahlen in der Luft können sich mehr als sehen lassen. 3,44 gewonnene Kopfballduelle pro Spiel sind ebenfalls ein sehr guter Wert in Liga 2. Diese Kopfballstärke würde uns sicher gerade bei unserer Anfälligkeit bei Standards gut zu Gesicht stehen.

Bei den defensiven Zahlen fällt nur negativ auf, dass er wenige abgefangene Bälle aufweist, was ggf. ein Nachteil ist, wenn der Effzeh wieder aktiver nach vorne verteidigen will. Allerdings ist gerade diese Statistik auch massiv davon abhängig, wie Paderborn spielt und sagt daher erst einmal mehr darüber, als über Brackelmanns Eignung fürs Pressing aus. Eine Maximalgeschwindigkeit von fast 34 km/h platziert ihn jedenfalls im guten Mittelfeld für Innenverteidiger in der Bundesliga und deutet an, dass er die notwendige Mobilität mitbringt.

Spiel mit Ball

Auffällig sind zudem seine Statistiken mit Ball am Fuß. Der Mann übernimmt Verantwortung im Spielaufbau. Dafür bedient er sich sowohl kurzer Pässe als auch langer Schläge und scheut nicht das Risiko. Gerade seine langen Bälle sind eine Waffe, die er gerne nutzt. 5,37 Bälle bringt er so pro 90 Minuten an den Mann – ein Top 10% Wert in der 2. Bundesliga.

Seine Fähigkeiten nutzt er auch immer wieder, um sich ins Offensivspiel einzubinden und sogar vereinzelt, um in Abschlusssituationen zu kommen. Wie das aussehen kann, haben wir zu Anfang der Saison von Timo Hübers gesehen, der immer wieder vorgerückt ist, um als zusätzliche Anspielstation im Mittelfeld zur Verfügung zu stehen – ein Element, das dem Team seit seiner Verletzung fehlt und meiner Meinung nach ein wichtiger Baustein im mittlerweile schleppenden Spielaufbau war.

Fußballerische Entwicklung

Der Vollständigkeit halber muss man erwähnen, dass diese Aussagen auf Basis der Statistiken der aktuellen Saison getroffen wurden. Statistisch ist nämlich auch erkennbar, dass Brackelmann in den letzten 2 Jahren eine rasante Entwicklung genommen und sich von einem Spieler mit limitierten Minuten erst diese Saison wirklich zu einem besonderen Leistungsträger entwickelt hat. Es bleibt also abzuwarten, ob er das aktuelle Niveau über eine komplette Saison halten kann.

Vergleich mit Dominique Heintz

Bei Brackelmann bietet sich der Vergleich mit Dominique Heintz an. Beide sind Linksfüße und spielen daher die linke Position in der Innenverteidigung. Zudem zeichnet sich auch Heintz in letzter Zeit besonders durch seine langen Bälle aus der letzten Linie aus. Diese Gemeinsamkeiten machen Heintz zu einem guten Referenzpunkt.

Methodik

Wie üblich schauen wir uns aus Gründen der Vergleichbarkeit die Statistiken der beiden Spieler auf 90 Minuten Spielzeit gerechnet an. Um es vergleichbar zu halten, habe ich für Brackelmann die Zahlen der aktuellen und für Heintz die Zahlen der zurückliegenden Zweitliga-Saison herangezogen.

Bei jeweils 2 genannten Zahlen ohne weitere Konnotation, ist immer Heintz’ Wert an erster und Brackelmanns Wert an zweiter Stelle.

Nackte Zahlen

BrackelmannHeintz
Tackles3,442,02
Gewonnene Zweikämpfe7,735,22
Zweikampfquote65,5 %58,1 %
Gewonnene Kopfballduelle3,442,63
Kopfballquote62,7 %58,9 %
Abgefangene Bälle0,861,13
Ausgedribbelt worden0,750,52
Ballkontakte74,3274,53
Erfolgreiche Pässe44,8953,56
Passquote80,2 %86,9 %
Erfolgreiche lange Pässe5,372,54
Passquote lange Pässe43,5 %37,5 %

Zusammenfassend kann man sagen, dass Brackelmann Defensiv in fast jeder Kategorie ein gutes Stück besser ist als Heintz letzte Saison.

Am Ball sieht es etwas schlechter aus, was primär an der schlechteren Passquote liegt. Ich vermute allerdings, dass er gerade im Flachpassspiel wesentlich mehr Risiko eingegangen ist als Heintz. Bei den langen Bällen ist wiederum auch erkennbar, dass Brackelmann klar besser ist als Heintz.

Er spielt damit gerade eine Zweitliga-Saison, die durchaus mit der zurückliegenden Saison von Hübers vergleichbar ist, auch wenn die beiden Spieler ein anderes Profil mitbringen und deshalb ein Statistikvergleich hier weniger Sinn ergibt.

Machbarkeit

Neben den sportlichen Aspekten sind auch wirtschaftliche Aspekte und die Situation des abgebenden Vereins wichtige Faktoren, um einschätzen zu können, wie realistisch ein möglicher Transfer ist.

Brackelmann befindet sich bei Paderborn im letzten Vertragsjahr. Paderborn hat bereits in vergangenen Transferperioden gezeigt, dass sie gerne noch die Chance wahrnehmen, durch einen Transfer eine Ablöse für solche Spieler zu generieren.

Fraglich ist, ob Paderborn im Angesicht der sportlichen Situation bereit ist, einen seiner Leistungsträger ziehen zu lassen. Nach einer vielversprechenden Hinrunde steht man auf Platz 4 mit nur einem Punkt Rückstand auf den direkten Aufstiegsplatz 2. Es wäre erwartbar, dass Paderborn daher in der Rückrunde nach den Sternen greifen möchte und dafür eben nicht bereit ist, Brackelmann abzugeben. Darüber hinaus weiß auch Paderborn von der Misere in der Innenverteidigung des Effzeh und würde das sicher nutzen, um den Preis zu treiben.

Man müsste vermutlich mindestens ein Angebot etwa auf Höhe von Brackelmanns kolportiertem Marktwert (1,5 Mio. €) abgeben, um Interesse zu wecken. Das wäre unüblich für einen Transfer bei so wenig restlicher Vertragslaufzeit, aber für einen Bundesligisten auch kein zu hoher Preis.

Fazit

Unter Betrachtung aller Informationen, komme ich zum Ergebnis, dass Brackelmann nach einer Wette klingt, die der Verein durchaus eingehen kann. Wenn Brackelmann das Leistungsniveau, das er gerade in Liga zwei zeigt, auch in die erste Bundesliga transportieren kann, wäre er nicht nur eine Abhilfe für die Personalnot in der Innenverteidigung, sondern man würde auch zwei große Schwächen im Kader angehen: die Anfälligkeit in Luftduellen oder das schwache Aufbauspiel aus der Abwehrkette.

Die Chance dafür ist vermutlich hoch, denn auch Spieler wie Timo Hübers oder Dominique Heintz konnten ihr statistisches Leistungsniveau der Vorsaison in Liga 2 ohne massiven Einbruch in die erste Liga übersetzen. Das stimmt hoffnungsvoll, dass dies auch Brackelmann gelingen kann.

Selbst wenn Brackelmann sein aktuelles Niveau eine Klasse höher nicht halten kann, sollte er in der Lage sein, zumindest als Wechseloption die Lücke zu füllen, die durch die Ausfälle in der Innenverteidigung gerissen wurde.

Zu einem Preispunkt, der bei aktuellen Transfersummen in der Bundesliga unter ferner liefen einzuordnen ist, ist auch das finanzielle Risiko überschaubar. Und da der Spieler gerade einmal 26 Jahre alt ist, würde man ihn schlimmstenfalls auch ohne großen Verlust wieder an einen Zweitligisten zurückverkaufen können.

Von daher klingt ein möglicher Brackelmann-Transfer nach einer ziemlich soliden Idee.

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